Was man sieht, hört und aufnimmt – ist es so wie es in Wirklichkeit ist?
Damals war ich noch jung an Jahren, vielleicht 18 oder 19 – so in der Art. Gross gewachsen, schlank, breite Schulter und über mich kursierten schon mehr Gerüchte als ein Buch Seiten hat.
Eines Abends sass ich an der Theke eines Pub meiner Wohngemeinde. Fragt mich nicht warum, denn ich tat es voller Widerwillen, Unbehagen und mochte eigentlich nicht unter Menschen sein. Aber ich traf mich mit einem jungen Mann in meinem Alter. Ein Mann vor dem sich beinahe alle fürchteten, brutal, gewalttätig und nicht wirklich die Art Mensch welche man sich aussucht um seine Zeit friedlich zu verbringen.
Gut ausgebildet im Vollkontakt Kickboxen, sportlich fit und sich seiner Präsenz wohl bewusst, nahm er direkt neben mir Platz. Tat so als würde er mich ignorieren, als wäre ich völlig unbedeutend, obwohl er ja auch gekommen war, weil ich ihm etwas mitteilen musste.
Und doch wirkte er sichtlich nervös, unruhig und angespannt. Das ich der Grund war, ahnte ich nicht. Woher sollte ich wissen, dass auch er Geschichten von mir gehört hatte, welche ich selbst nie zu hören bekam.
Er wusste von mir mehr als ich, wusste Sachen die es niemals gegeben hatte und mich in der damaligen Zeit verfolgten, wie ein Fluch – diese Gerüchte. Statt diese zu korrigieren oder zu berichtigen, mied ich lieber den Umgang mit solchen Plaudertaschen. Es waren immer wieder so Schauergeschichten – niemand hatte Sie gesehen oder miterlebt aber hartnäckiger als Akne zur Zeit der Pubertät.
„Muss kurz auf Toilette – schau das mein Stuhl frei bleibt“ – hörte ich ihn sagen – nehme an er sagte es mir, obwohl mich das herzlich wenig interessierte. Was zur Folge hatte, der Stuhl war besetzt als er wiederkam. Auf seine bekannte primitive und brutale Art haute er den unwissenden Gast ohne Vorwarnung mit einem Faustschlag vom Barhocker – so als wäre das ganz normal. Nahm wieder Platz und nun hatte ich seine Aufmerksamkeit. „Habe Dir doch gesagt – Du sollst schauen….“ und versuchte noch bedrohlicher zu wirken als er eh schon war.
„Nun was Du mir zu sagen hast, interessiert mich nicht – lass mich in Ruhe“ – hörte ich mich erwidern. Ruhig, emotionslos und doch mit einem Gefühl in mir, dass ich weiss Gott so sehr an mir hasste.
Immer wenn mich jemand bedrohte, widerlich zu nahe kam und ich dessen Primitivität und Brutalität beinahe körperlich spürte – passierte dies zur damaligen Zeit. Ich begann mich zu verkrampfen, versuchte mich unter Kontrolle zu bringen – ruhig zu werden während meine Hände und Arme vor Erregung, Stress leicht zu zittern begannen. Ich weichte dem Blick aus – von diesem Tyrann, ich wusste wieso.
„Oh der Kleine hat Angst, zitterst ja, kannst mir nicht einmal in die Augen schauen …..“ sein Ego machte einen Höhenflug und er nutzte die Gunst der Stunde um sich vor den anderen zu brüsten. Lauthals zu verkünden, dass er sicher keine Angst habe vor mir und er nicht verstehe warum man solche Geschichten über so eine lächerliche Figur wie mich erzähle und glaube.
Wie gehabt, wie immer wieder erlebt, und wie ich diese Momente und mich selbst in dieser Situation hasste. Er täuschte sich, ich hatte nicht Angst vor ihm, er widerte mich nur abartig an und der Hass, ein unglaublicher Hass kam in mir hoch den ich dermassen fürchtete – weil ich sehr genau wusste was dies mit mir tat, was das auslöste.
Völlig verkrampft, weil ich nicht wollte das dieser abgrundtiefe Hass überhand nahm, presste ich nur die Worte heraus „Lass es verdammt nochmal einfach bleiben, Du gottverdammter Idiot – ich habe keine Angst vor Dir . Glaub es mir – glaub es mir bitte“ und schaute ihn an. Da war kein Zittern mehr, da war nur noch…..
Er hatte zum Glück das, was ich bis Heute Strasseninstinkt nenne, das Gespür das Tiere haben, die Leute auf der Gasse haben – weil man keinen Kampf eingehen will den man nicht gewinnen kann. Das hat nichts mit Intelligenz zu tun – sondern man akzeptiert das was vorhanden, gegeben ist – erfindet nicht Hierarchie und Kraft neu – jeder hat seinen Platz in einem Rudel – man akzeptiert den oder man kämpft um herauszufinden wo man steht wenn man es anders nicht begreift.
Es war längst ruhig geworden im Lokal – die Spannung elektrifizierte die Luft und den Atem der Menschen im Raum – Angst – Gier und vieles mehr roch man im Schweiss dieser Menschen die keine Rolle mehr spielten in der unausgesprochenen Frage – wer von diesen beiden ……
Er schaute mir in die Augen . Weiss nicht was er sah – und wich zur Seite – kein einziges Anzeichen das er es versuchen wollte, gegen mich, der doch so Angst hatte, wie er noch kurz zuvor behauptet hat.
„Tu es nie wieder – einfach nie wieder“
und in meiner Stimme war einfach nur das was in mir tobte – wie ich die Menschen hasste – mich inklusive. Denn ich hätte eines dieser Gerüchte wohl zur Wahrheit werden lassen. Die Narben in meiner Seele brannten – der Schmerz tobte und ich suchte das Ufer vom nahegelegenen Fluss auf.
Wasser beruhigte mich, das Plätschern aber die elendige Aggression die mich beinahe zerrissen hatte machte einer traurigen Depression Platz. Mein Blick ging fragend zum Himmel – warum ?! Warum ich! Meine Bitte an Gott, dass er mich endlich von dieser Erde nehmen soll blieb ungehört – von allen.
